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Ein Ort zum Wohlfühlen

Sprendlingen - Um die neue Moschee an der Schlagfeldstraße sieht es noch nach Baustelle aus. Es ist Nachmittag, das Wetter ist trüb, der Boden aufgeweicht. Jenseits der schweren Holztür könnte der Kontrast kaum größer sein. Von Cora Werwitzke

Ein großer heller Raum tut sich vor den Besuchern auf. Er strahlt Freundlichkeit aus, ein Dutzend Gläubige hat gerade das Nachmittagsgebet beendet. Die Atmosphäre im neuen Domizil der Türkisch-Islamischen Gemeinde ist auf angenehme Weise feierlich.

„Jahrelang gingen wir in eine Fabrikhalle, um uns zu treffen und zu beten“, sagt Sefa Sahin, Dreieicher Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Die benachbarten alten Räume seien zu klein und wenig repräsentativ gewesen. Seit Anfang des Jahres nutzt die Gemeinde das neue Gebäude. „Unsere kleine Moschee ist bei den Mitgliedern durchweg gut angekommen“, erzählt der Vorsitzende. Wobei sich über solche Dinge wie die Innenfarbe natürlich immer diskutieren lasse.

Viel Blau und Rot im großen Betsaal

Viel Blau und Rot finden sich im großen Betsaal wieder. Die obligatorische Gebetsnische, das Vorlesepult und die meterhohe Kanzel sind mit Ornamenten in beiden Farben verziert. Muster und Zitate aus dem Koran schmücken die weißen Wände, ein dicker türkisfarbener Teppich bedeckt den Fußboden. Er reicht bis in den Vorraum, wo sich Besucher der Stätte die Schuhe ausziehen. „Die gemusterten Linien auf dem Teppich sind so angeordnet, dass die Leute sich an ihnen orientieren können, um in Richtung Mekka zu beten“, erläutert Sefa Sahin. Der Teppich sei eine Spezialanfertigung aus der Türkei, genau wie die hölzerne Eingangstür.

Auf gut eine Million Euro war das Bauprojekt veranschlagt worden, als es im Mai 2010 mit der Grundsteinlegung seinen Anfang nahm. Neben der Moschee entstand auch ein Vereinshaus. „Insgesamt haben wir die Gebäude nur mit Spenden finanziert und sind unter den kalkulierten Kosten geblieben“, sagt Sefa Sahin. Nachdem der Rohbau samt Heizung und Elektronik stand, sei viel in Eigenregie gemacht worden. „Vom Rechtsanwalt bis zum Maurer haben wir viele Leute mit Fachwissen in der Gemeinde“, sagt der Vorsitzende.

Klang in der neuen Moschee überzeugt

Dass auch der Klang in der neuen Moschee überzeugt, demonstriert Muezzin Mehmet Ali Karaca. Ausnahmsweise ruft er außer der Reihe von einer Kanzel zum Gebet auf. Acht ältere Herren, die später noch mit unserer Zeitung über ihre Anfänge in Dreieich sprechen, sammeln sich hinter Imam Ibrahim Halil Karaman zum Beten. Eine Einlage für die Presse ist das nur bedingt. „Mit diesem Gebet lässt sich ein versäumtes nachholen“, erklärt Sefa Sahin. Und dass fünf Mal Beten am Tag nicht immer funktioniert – „das kann sich ja sicher jeder vorstellen.“

Eines seiner persönlichen Highlights sei die Kuppel, sagt der Gemeindevorsitzende. Vier weiße Säulen reichen bis unter das prachtvoll bemalte Dach des Gebäudes. Sie stützen eine halbrunde Galerie, die den Frauen vorbehalten ist. Auf gleicher Höhe schwebt ein enormer Kronleuchter über dem Betsaal. „Das Flair der neuen Moschee ist mit den alten Räumen gar nicht zu vergleichen – mein Herz hängt schon jetzt an ihr“, sagt Sefa Sahin.

Offiziell vorgestellt werden soll das Bauwerk in absehbarer Zeit. „Sobald das Wetter draußen besser wird, wollen wir die Dreieicher einladen“, kündigt der Gemeindevorsitzende an.

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